Hier ein begleitendes Wort zum neuen Buch „Zwischen Sehnsucht und Macht“ – Wie Romantik und Idealismus die deutsche Geschichte prägten von Klaus Kampe. Es geht um eine Warnung vor den Auswüchsen von Idealismus und Romantik in der heutigen Zeit. Das Buch stützt sich auf historische und philosophische Analysen, die zeigen, wie die Sehnsucht nach einer „höheren Ordnung“ oder „Wiederverzauberung“ der Welt in gefährliche Irrationalität oder Totalitarismus umschlagen kann.
Hier ist ein Entwurf:
Die Geschichte der deutschen Romantik lehrt uns, dass der Versuch, die Welt durch reine Poesie oder Idealismus zu heilen, oft mit einer gefährlichen Realitätsferne einhergeht. Wenn das „romantische Subjekt“ die Welt nur noch als Anlass für seine eigene Produktivität und Stimmung nutzt, droht eine politische Handlungsunfähigkeit oder eine bloße Simulation von Wirksamkeit.
Besonders im Kontext moderner Großprojekte wie dem Green Deal oder radikaler Umweltbewegungen besteht die Gefahr, dass die Vernunft in Unvernunft und Aufklärung in einen neuen Mythos umschlägt. Adorno und Horkheimer warnten in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ bereits davor, dass eine total verwaltete Welt keine wahre Freiheit schafft, sondern neue Formen der Unterwerfung, in denen der Einzelne zugunsten einer vermeintlich höheren kollektiven Notwendigkeit nichts mehr zählt.
Kritische Punkte der Warnung:
• Der ästhetische Aristokratismus: Idealisten neigen dazu, ihre Visionen über die profanen Bedürfnisse der „Masse“ zu stellen, was zu einer Entfremdung von der sozialen Realität führt.
• Die „stählerne Romantik“ der Planung: Carl Schmitt warnte vor den Paradiesen einer durchgeplanten Welt, die durch entfesselte Produktivkraft eine „Sozialschranke“ errichtet, die den Menschen nicht mehr erkennt, sondern ihn gewaltsam verändern will.
• Verlust der Dezision (Entscheidungsfähigkeit): Romantiker verweilen oft im ästhetischen „Müßiggang“ und scheitern an der Notwendigkeit klarer politischer Unterscheidungen, was sie anfällig für die Instrumentalisierung durch fremde Mächte macht.
• Der „Krankheitskeim“ im Ideal: Wie Thomas Mann 1945 ausführte, trägt die Romantik oft einen Keim in sich, der die Hingabe an das Irrationale und eine weltfremde Tiefe über die demokratische Nüchternheit stellt.
Man muss daher wachsam gegenüber Bewegungen sein, die das Politische in „Rausch und Mysterium“ zurückverwandeln wollen. Eine Politik, die nur noch auf Gefühl, Erweckung und utopischem Schein basiert, verliert den Boden der rechtlichen und rationalen Normen und bereitet so den Weg für eine neue Barbarei.
Es gilt, die Romantik als Korrektiv der Moderne zu nutzen, ohne sie zur Staatsideologie zu erheben, da sie sonst unweigerlich in der Katastrophe endet.
KK
Leave a Reply