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  • Abdruck aus “Zukunft erfinden”

    WIE MACHT, GELD UND LOBBYISMUS DEN FORTSCHRITT BREMSTEN โ€“ UND WIE WIR ES ร„NDERN Kร–NNEN, ein Buch von Klaus Kampe

    EINLEITUNG
    Fortschritt ist eine der mรคchtigsten Triebkrรคfte in der Geschichte der Menschheit. Seit dem ersten gezรคhmten Feuer, dem Rad, der Dampfmaschine und der Elektrizitรคt war die technische Entwicklung stets eng mit dem Wunsch nach Freiheit, Bequemlichkeit und รœberwindung der Grenzen des Mรถglichen verbunden. Doch dieser Fortschritt verlief nie linear. Immer wieder wurde er gebremst, umgelenkt oder gar ganz gestoppt โ€“ nicht etwa, weil die Ideen unbrauchbar waren, sondern weil sie zu gut, zu gefรคhrlich oder schlicht zu unprofitabel fรผr bestehende Machtstrukturen waren.

    Das 20. und 21. Jahrhundert sind in besonderem MaรŸe Zeugen dieses paradoxen Verhรคltnisses zwischen Innovation und Behinderung geworden. Auf der einen Seite erleben wir eine explosionsartige Entwicklung neuer Technologien, von kuฬˆnstlicher Intelligenz bis hin zur Gentechnik. Auf der anderen Seite offenbart sich eine Schattenseite: wirtschaftliche und politische
    Interessengruppen, die den Fortschritt dort aufhalten, wo er bestehende Monopole, Mรคrkte oder Machtgefuฬˆge bedroht. Die Geschichte des modernen Kapitalismus ist damit zugleich eine Geschichte der verhinderten Erfindungen โ€“ eine Chronik des stillen Kampfes zwischen kreativen Geistern und den Architekten der wirtschaftlichen Kontrolle.

    DIE DIALEKTIK DES FORTSCHRITTS
    Der Mythos vom genialen Erfinder, der mit einer bahnbrechenden Idee die Welt verรคndert, prรคgt bis heute unser Bild der Innovation. Doch die Realitรคt zeigt, dass der Weg von der Idee zur Umsetzung selten nur von wissenschaftlicher Leistung abhรคngt. Oft sind es wirtschaftliche Interessen, juristische Huฬˆrden oder gezielte โ€žDesinformationskampagnenโ€œ , die bestimmen, welche Technologie sich durchsetzt und welche in Vergessenheit gerรคt. Ein prรคgnantes Beispiel hierfuฬˆr ist der Konflikt zwischen Nikola Tesla und Thomas Edison. Teslas Konzept des Wechselstroms war technisch uฬˆberlegen, effizienter und sicherer โ€“ doch Edison, unterstuฬˆtzt von Investoren und industriellen Partnern, fuฬˆhrte einen beispiellosen Propagandafeldzug gegen den Wechselstrom. Teslas Ideen von drahtloser Energieuฬˆbertragung, globaler Kommunikation und nahezu unbegrenzter Energieversorgung galten als revolutionรคr โ€“ und zugleich als Bedrohung fuฬˆr jene, die an der zentralisierten Stromversorgung verdienten. Der โ€žKrieg der Strรถmeโ€œ wurde letztlich nicht nur mit wissenschaftlichen Argumenten, sondern mit wirtschaftlicher Macht entschieden. Dieser Konflikt steht stellvertretend fuฬˆr ein wiederkehrendes Muster in der Geschichte der Technik: Fortschritt wird nicht allein an seiner Nuฬˆtzlichkeit gemessen, sondern an seiner Vereinbarkeit mit den Interessen derjenigen, die uฬˆber Kapital und politische Einflussmรถglichkeiten verfuฬˆgen. Eine bahnbrechende Idee kann zur Weltverรคnderung fuฬˆhren โ€“ oder in einer Schublade verschwinden, wenn sie bestehende Strukturen infrage stellt.

    Inhaltsverzeichnis:

    • Die Dialektik des Fortschritts
    • Das Prinzip der strukturellen Innovationshemmung
    • Beispiele eines unterdruฬˆckten Fortschritts
    • Die ethische Dimension des Fortschritts
      Teil I โ€“ Die fruฬˆhen Fรคlle des technischen Lobbyismus
      Kapitel 1: Nikola Tesla und der Kampf um den Strom
    • 1.1 Ein Erfinder zwischen Genie und System
    • 1.2 Der Krieg der Strรถme: Gleichstrom gegen
      Wechselstrom
    • 1.3 Der Traum der freien Energie
    • 1.4 Die Manipulation der รถffentlichen Meinung
    • 1.5 Die Lehre aus Teslas Scheitern
    • 1.6 Parallelen zur Gegenwart
    • 1.7 Fazit: Der Sieg der Macht uฬˆber die Vernunft
      Kapitel 2: Die Gluฬˆhbirne und das Kartell der Lichtindustrie
    • 2.1 Der Beginn eines neuen Zeitalters
    • 2.2 Wer hat die Gluฬˆhbirne erfunden?
    • 2.3 Das Phoebus-Kartell โ€“ Der Beginn geplanter
      Obsoleszenz
    • 2.4 Wirtschaftliche Motive und gesellschaftliche Folgen
    • 2.5 Patentrecht als Machtinstrument
    • 2.6 Geplante Obsoleszenz als รถkonomisches Prinzip
    • 2.7 Der lange Schatten des Kartells
    • 2.8 Lehren fuฬˆr Gegenwart und Zukunft
    • 2.9 Fazit: Zwischen Innovation und Kontrolle
      Kapitel 3: Der unterdruฬˆckte Fortschritt im Automobilbau:
      Vom Elektroauto zum Verbrenner
    • 3.1 Die Anfรคnge: Elektromobilitรคt im 19. Jahrhundert
    • 3.2 Der Aufstieg des Verbrennungsmotors
    • 3.3 Energie, Macht und Monopol
    • 3.4 Der โ€žGreat American Streetcar Scandalโ€œ
    • 3.5 Vergessene Innovationen und unterdruฬˆckte Patente
    • 3.6 Der Fall GM EV1 โ€“ Eine moderne Wiederholung
    • 3.7 Die Rolle der Politik und der Konsument
    • 3.8 Wandel im 21. Jahrhundert: Ein verspรคtetes Comeback
    • 3.9 Fazit: Fortschritt im Kreis
      Kapitel 4: Pharmaindustrie und die Blockade alternativer
      Heilmethoden
    • 4.1 Medizin zwischen Fortschritt und Marktlogik
    • 4.2 Die Logik der Patente โ€“ Schutz und Barriere zugleich
    • 4.3 Innovation im Schatten der Profitlogik
    • 4.4 Der Fall der HIV-Medikamente โ€“ Patente gegen
      Menschenrechte
    • 4.5 COVID-19 und die Debatte um Impfstofflizenzen
    • 4.6 Alternative und komplementรคre Heilmethoden โ€“
      zwischen Forschung und Regulierung
    • 4.7 Lobbyismus und Einflussnahme
    • 4.8 Wege zu einer gerechteren Arzneimittelinnovation
    • 4.9 Fazit: Medizin als Gemeingut
      Kapitel 5: Agrarwirtschaft und die Kontrolle uฬˆber Saatgut
    • 5.1 Nahrung als Machtfaktor
    • 5.2 Die Entstehung des industriellen Saatgutmarktes
    • 5.3 Marktkonzentration und die โ€žBig Fourโ€œ
    • 5.4 Der Fall Monsanto โ€“ Kontrolle durch Patente
    • 5.5 Auswirkungen auf Biodiversitรคt und
      Ernรคhrungssouverรคnitรคt
    • 5.6 Wissenschaftliche Innovation oder รถkonomische
      Kontrolle?
    • 5.7 Politische Einflussnahme und Agrarlobbyismus
    • 5.8 Wege zu einer nachhaltigen und gerechten Agrarpolitik
    • 5.9 Fazit: Das Saatgut der Zukunft gehรถrt allen
      Kapitel 6: Digitale Monopole und Informationskontrolle
    • 6.1 Vom Industriezeitalter zum Datenzeitalter
    • 6.2 Die Entstehung digitaler Monopole
    • 6.3 Patente, Urheberrecht und geistiges Eigentum im
      Digitalzeitalter
    • 6.4 Daten als Eigentum โ€“ oder als Gemeingut?
    • 6.5 Politische Einflussnahme der Tech-Konzerne
    • 6.6 Die neue Form des Lobbyismus:
      Informationsgestaltung
    • 6.7 Der Kampf um digitale Souverรคnitรคt
    • 6.8 Offene Technologien und Gemeinguฬˆter
    • 6.9 Fazit: Freiheit im Zeitalter der Datenรถkonomie
      Teil III: Zukunftsperspektiven: Wie sich Innovationsblockaden
      verhindern lassen
    • 7.1 Innovation als gesellschaftliche Verantwortung
    • 7.2 Das Dilemma des modernen Patentrechts
    • 7.3 Neue Eigentumsmodelle fuฬˆr Wissen und Technologie
    • 7.4 Transparente Wissenschaft und demokratische
      Kontrolle
    • 7.5 Bildung und Aufklรคrung als Schluฬˆssel
    • 7.6 Internationale Kooperation und globale Gerechtigkeit
    • 7.7 Ethik und Verantwortung im Zeitalter der KI
    • 7.8 Wirtschaft im Dienst des Gemeinwohls
    • 7.9 Fazit: Eine offene Zukunft
      Kapitel 8: Medien, Zensur und Informationskriege: Wie
      Meinung zur Ware wurde
    • 8.1 Die Macht uฬˆber die Erzรคhlung
    • 8.2 Medien als Instrument wirtschaftlicher Interessen
    • 8.3 PR, Propaganda und die Erfindung des โ€žPublic
      Relationsโ€œ-Zeitalters
    • 8.4 Zensur durch Struktur: Wie Kontrolle ohne Verbot
      funktioniert
    • 8.5 Fallbeispiel: Medienkampagnen gegen unbequeme
      Wissenschaft
    • 8.6 Digitale Meinungsmacht: Social Media und Filterblasen
    • 8.7 Einfluss von Lobbyorganisationen und Thinktanks
    • 8.8 Informationskriege im 21. Jahrhundert
    • 8.9 Wege zu freier Information und Medienethik
    • 8.10 Fazit: Wahrheit als Gemeingut
      Kapitel 9: Wirtschaft und Ethik: Macht, Moral und
      Verantwortung
    • 9.1 Von der freien Information zur ethischen ร–konomie
    • 9.2 Der unsichtbare Vertrag
    • 9.3 Die Moral des Marktes
    • 9.4 Die Trennung von ร–konomie und Moral
    • 9.5 Verantwortung ohne Gesicht
    • 9.6 Die Ethik der Effizienz
    • 9.7 Korporative Ethik โ€“ PR oder Prinzip?
    • 9.8 Die Macht der Lobby
    • 9.9 Der moralische Imperativ der Wirtschaft
    • 9.10 Die Ruฬˆckkehr des Gewissens
    • 9.11 Macht, die sich selbst begrenzt
    • 9.12 Der neue Humanismus
    • 9.13 Die Wuฬˆrde der Grenze
      Teil IV โ€“ Wege in eine offene Innovationskultur
      Kapitel 10: Kapitel 10 โ€“ Wege in die Zukunft: Innovation und
      Freiheit
    • 10.1 Der Mensch als Schรถpfer
    • 10.2 Die Wiederentdeckung des Gemeinwohls
    • 10.3 Bildung als Quelle der Freiheit
    • 10.4 Wissenschaft im Dienst der Menschheit
    • 10.5 Der digitale Humanismus
    • 10.6 Nachhaltigkeit als Systemprinzip
    • 10.7 Politik und die Macht des Mutigen
    • 10.8 Wirtschaft als Partner, nicht als Herr
    • 10.9 Der neue Gesellschaftsvertrag
    • 10.10 Innovation als moralische Aufgabe
    • 10.11 Hoffnung als Erfindung
      Kapitel 11: Reform des Patentrechts: Wissen als Gemeingut
    • 11.1 Das Dilemma des geistigen Eigentums
    • 11.2 Verkuฬˆrzung der Patentlaufzeiten
    • 11.3 Gemeinwohlorientierte Lizenzen
    • 11.4 Staatliche Fรถrderung offener Innovation
    • 11.5 Das Wissen der Zukunft
      Kapitel 12: Bildung, Transparenz und digitale Aufklรคrung
    • 12.1 Bildung als Fundament der Freiheit
    • 12.2 Wissenschaft als รถffentliches Gut
    • 12.3 Transparenzplattformen und Buฬˆrgerbeteiligung
    • 12.4 Ethik des Fortschritts: Verantwortung fuฬˆr Mensch und
      Planet
    • 12.5 Bildung als kollektives Bewusstsein
    • 12.6 Die Zukunft der Aufklรคrung
      Schlusswort โ€“ Der Mut zur Zukunft
    • Der Preis des Wandels
    • Warum Innovation Mut braucht
    • Eine Vision fuฬˆr eine gerechtere Zukunft
    • Appell an Politik, Forschung und Gesellschaft
    • Der Kreis schlieรŸt sich
    • Anhang
  • Excerpt from โ€œGerman Exiles on the Cรดte dโ€™Azurโ€

    A journey through the 1930s by Klaus Kampe

    HISTORICAL CONTEXT AND EXILE IN SOUTHERN FRANCE

    When the National Socialists seized power in Germany in January 1933, a period of persecution and loss began for many writers, artists, and intellectuals. Theaters were closed, editorial offices purged, books burned. Those who remained risked being banned from their professions, imprisonment, or worse. Those who left had to find a new world. Countless Germans set out on their journey โ€“ with suitcases full of manuscripts, sketches, or simply hope.

    The south of France, the Cรดte d’Azur, became a lifeline for many of them. The light, the vastness of the sea, the olive groves, and pine-covered hills gave the refugees a sense of freedom. The region was also convenient in practical terms: the cost of living was lower than in Paris, and Marseille offered the opportunity to travel further afield if the situation became uncertain. Artists and writers had already discovered the coast, and so in the 1930s it seemed like an old acquaintance that was now showing a new face โ€“ that of exile.

    During these years, the great names of German culture gathered here: Thomas Mann wrote in the guesthouses along the coast, while his brother Heinrich lived with Nelly Krรถger in Nice. Lion Feuchtwanger created an intellectual hub in his villa in Sanary-sur-Mer, frequented by Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel, and many others. Bertolt Brecht wandered restlessly through the south of France, always searching for a place where work and security coincided. Painters such as Walter Bondy and writers such as Annette Kolb further shaped the atmosphere.

    Two places in particular became symbols of this exile: Nice, with its cosmopolitan vibrancy and boulevards where languages and cultures mingled; and Sanary-sur-Mer, a small fishing village whose harbor became the stage for a world in upheaval. There, between simple fishing boats and the facades of white houses, a close-knit community of exiles emerged, trying to preserve their language, their art, and their hope in the shadow of the looming dictatorship.

    Thus, on the Cรดte d’Azur, the beauty of the landscape was combined with the urgency of survivalโ€”leaving traces that are still visible today.


    TABLE OF CONTENTS

    Introduction

    Varian Fry โ€“ From Berlin to Marseille

    Historical Context and Exile in Southern France

    Exiles in Nice โ€“ The City of Refuge

    Sanary-sur-Mer โ€“ The German Village

    Famous Personalities in Exile

    The Portraits โ€“ Faces of a Lost World

    Marta and Lion Feuchtwanger

    Meeting at the Cafรฉ du Lyon

    Max Colpet

    Thomas Mann and the Art of Exile Salons

    Voices in Exile

    Art, Literature, and the Struggle for Freedom of Speech

    Encounters and Communities

    Threats, Internment, and Escape

    Places of Residence Today – Discovering Historical Sites

    Comparison of Historical Photographs

    Links to Photos and Places

    Image Sources

    Epilogue

    Appendix


    in german:

    Abdruck aus “Deutsche Exilanten an der Cรดte d’Azur”

    Eine Reise durch die 1930er von Klaus Kampe

    HISTORISCHER KONTEXT UND EXIL IN SรœDFRANKREICH

    Als im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht รผbernahmen, begann fรผr viele Schriftsteller, Kรผnstler und Intellektuelle eine Zeit der Verfolgung und des Verlustes. Bรผhnen wurden geschlossen, Redaktionen gesรคubert, Bรผcher verbrannt. Wer blieb, riskierte Berufsverbot, Haft oder Schlimmeres. Wer ging, musste sich eine neue Welt suchen. So setzten sich unzรคhlige Deutsche in Bewegung โ€“ mit Koffern voller Manuskripte, Skizzen oder einfach nur Hoffnung.

    Der Sรผden Frankreichs, die Cรดte dโ€™Azur, wurde fรผr viele von ihnen zum Rettungsanker. Das Licht, die Weite des Meeres, die Olivenhaine und Pinienhรผgel gaben den Flรผchtenden eine Ahnung von Freiheit. Auch praktisch war die Region gรผnstig: Die Lebenshaltungskosten waren niedriger als in Paris, und von Marseille aus bot sich die Mรถglichkeit, weiterzureisen, falls die Lage unsicher wurde. Schon zuvor hatten Kรผnstler und Literaten die Kรผste entdeckt, und so wirkte sie in den 1930er Jahren wie eine alte Bekannte, die nun ein neues Gesicht zeigte โ€“ die eines Exils.

    In diesen Jahren trafen hier die groรŸen Namen der deutschen Kultur zusammen: Thomas Mann schrieb in den Pensionen der Kรผste, sein Bruder Heinrich lebte mit Nelly Krรถger in Nizza. Lion Feuchtwanger schuf in seiner Villa in Sanary-sur-Mer einen geistigen Mittelpunkt, an dem Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel und viele andere verkehrten. Bertolt Brecht zog unstet durch Sรผdfrankreich, stets auf der Suche nach einem Ort, an dem Arbeit und Sicherheit zusammenfielen. Maler wie Walter Bondy oder Schriftstellerinnen wie Annette Kolb prรคgten die Atmosphรคre zusรคtzlich.

    Besonders zwei Orte wurden zu Symbolen dieses Exils: Nizza, mit seiner kosmopolitischen Lebendigkeit und den Boulevards, auf denen sich Sprachen und Kulturen mischten; und Sanary-sur-Mer, ein kleiner Fischerort, dessen Hafenbecken zur Bรผhne einer Welt im Umbruch wurde. Dort, zwischen einfachen Fischerbooten und den Fassaden weiรŸer Hรคuser, entstand eine dichte Gemeinschaft von Exilanten, die im Schatten der drohenden Diktatur versuchten, ihre Sprache, ihre Kunst und ihre Hoffnung zu bewahren.

    So verband sich an der Cรดte dโ€™Azur die Schรถnheit der Landschaft mit der Dringlichkeit des รœberlebens โ€“ und hinterlieรŸ Spuren, die bis heute sichtbar sind.

  • Preprint from โ€œGerman Emigrantsโ€

    Fates spanning three centuries – by Klaus Kampe

    Chapter 4 โ€“ Land of Promise

    Hamburg-Amerika_Linie_Deutschland_Hamburg_1899

    Conrad Weiser, the Quakers, and the Price of Freedom

    “I have learned two languagesโ€”
    that of the fathers, who count everything,
    and that of the Iroquois, who tell everything.
    The truth lies somewhere in between.”
    โ€” Conrad Weiser, letter to his wife Anna Eva, ca. 1737

    1. The Legacy of the First Generation

    When the second generation of Germans in Pennsylvania came of age, the wilderness was no longer an enemy, but property. Land was the new gospel. Those who had it were considered blessed; those who lost it were considered punished.

    The first immigrants had received the land as a giftโ€”free, open, boundless. But now every claim had to be documented with papers, seals, and boundary stones. And that’s when a new kind of war began: quiet, legal, fueled by greed, ignorance, and mistrust.

    Johann Conrad Weiser Sr., who had once started out as a simple settler in Germantown, soon found himself in conflict with the Crown of New York. German families were promised land in the Schoharie Valley, but when they arrived, it had already been sold โ€“ to speculators who had obtained their papers from London, The Hague, or even Frankfurt. The German settlers called it the โ€œland of false deeds.โ€

    โ€œThey gave us forest land that we bought with blood, and called us disobedient because we couldn’t read the contract.โ€
    โ€“ From the โ€œSchoharie Petition,โ€ 1718

    1. The dealers in land

    During those years, a name appeared in the colonial administration’s files that soon became a curse word among Germans: Johannes Tschudi. A man from Zurich, once a notary, then a commercial agent, and finally a land commissionerโ€”and, as was later discovered, a skilled forger.

    Tschudi was one of those borderline figures between legitimacy and fraud that the colonial era produced in abundance. He had seals and coats of arms that looked deceptively genuine and issued settlement certificates that purportedly came from the governor of Pennsylvania. For a fee of โ€œtwo Louis d’or per family,โ€ he promised 200 acres of land, plus the right to timber, grazing, and tax exemption for seven years.

    A surviving pamphlet written by him states:

    โ€œNews of the fertile land of Penn-Sylvania, where milk, honey, and justice flow, and every man may be his own king.โ€

    The sheet circulated between Frankfurt, Strasbourg, Ulm, and Zurich. Many believed itโ€”not least because it was printed on parchment with a colonial seal that had been forged in London. Those who registered received a map with plots of land marked on itโ€”often in areas that did not even exist.

    A descendant of the Braun family from the Palatinate wrote in 1751:

    โ€œWe carried the map in our breast pockets across the sea, and when we arrived, we were shown swamps and rubble. But now that we were here, we began to dig โ€“ not for gold, but for truth.โ€

    One day, Tschudi disappeared without a trace. Some reports claim he died in the Caribbean, others that he assumed a new identity in London. What remained was a web of disappointment and mistrust that burned deep into the German community.

    1. The recruiters โ€“ voices of promise

    Not all lies came from individual perpetrators. From the 1720s onwards, a veritable business developed around the dream of a โ€œnew life.โ€ Emigrant agencies opened in Rotterdam and Hamburg, advertising passage to Philadelphia. Their leaflets were titled โ€œReport on the Blessed Land of Pennsylvaniaโ€ or โ€œSimple Description of the Wonderful New World.โ€

    A particularly well-known pamphlet from 1726 promised:

    “There, no one is another’s servant,
    and the earth bears fruit without coercion.
    No tithes, no war, no prince.”

    But what was not disclosed was that most of the ship passages were paid for on credit. Those who could not pay for the crossing in cash signed a contract of โ€œindentured servitudeโ€ โ€“ debt bondage. Many Germans arrived in Philadelphia and had to sell their labor to rich planters or merchants for four to seven years.

    Conrad Weiser noted in one of his early letters:

    “They came as free people and woke up as servants.
    The ships brought no hope, but mortgages.”

    The merchants who organized the crossing called it the โ€œredemptioner system.โ€
    A term that perfidiously turned the word โ€œredemptionโ€ into its opposite.

    1. The governor and the rebels

    British Governor Robert Hunter saw the German settlers as useful subjectsโ€”hardworking, tolerant, and taxable. But when they refused to pay taxes on land that never belonged to them, he said:

    “The Germans are good farmers, but bad subjects.
    They believe in God, but not in laws.”

    Hunter sent troops to โ€œpacifyโ€ Schoharie. But the Germans barricaded themselves in, refused to take the oath, and an open rebellion nearly broke out in the wilderness along the Mohawk River.

    Johann Weiser wrote:

    “We did not rise up against the king, but against deceit.
    Those who promise land and then steal it sin against God, not against the crown.”

    1. Conrad Weiser โ€“ The son between two worlds

    Conrad was the mediatorโ€”between his father and the authorities, between German and English, between settlers and Iroquois. He recognized early on that property was also language. Those who spoke English owned land, while those who spoke only German remained tenants of their dreams.

    In one of his notes, he wrote:

    “I have learned that freedom ends in contracts
    when the other person’s pen has the last word.”

    Conrad became a translator, mediator, and later an advisor to the colonial government.
    He saw how his compatriots were cheated, disenfranchised, but also became greedy themselves. The circle began to close: the victims became property owners, and the next poor people followed.

    1. Land deeds and the new faith

    In 1740, there were more forged than genuine land deeds in circulation in Pennsylvania. German colonists bought them at markets, from wagons, and in taverns. Some knew they were fake โ€“ others did not want to know. Faith became business.

    An entry in the diary of Quaker John Logan, 1741:

    โ€œThe Germans are pious, but their piety is no protection against the temptation of property.โ€

    This gave rise to a culture of justification: it was said that God had given the land โ€“ so no man could deny it. The Bible became a document, the word a title deed. A dangerous idea that ate deep into the colonies’ self-image.

    1. The Return of the Narrator

    Philadelphia, 1887.
    Ecklin is back in the archives.
    He has now read not only Gรผnter’s book, but also Weiser’s letters, Tschudi’s forged documents, pamphlets, and council minutes.
    A mosaic of hopes, deceit, and faith lies before him.

    He notes:

    โ€œPerhaps the biggest mistake was not that they were lied to, but that they believed freedom could be bought.โ€

    Outside, the bells of St. Michael’s German Church are ringing. On the street, a man is selling prints with the inscription: โ€œA piece of land in Dakota โ€“ 100 acres, $10!โ€
    Ecklin closes his eyes.
    Three hundred years have passed, and the language of promise still sounds the same.

    โ€œWe left because we believed the land was free. Now I know: only human beings can be free โ€“ and even then, only for a short time.โ€

  • Varian Fry โ€“ From Berlin to Marseille

    in german below:

    A life between observation and responsibility

    When Varian Fry traveled to Europe aboard the transatlantic liner Bremen in 1935, he was still a young journalist, driven by curiosity, acumen, and an incorruptible eye for the political tensions of his time. Even during the crossing, among diplomats, businesspeople, and emigrants, he heard conversations about Hitler’s job creation programs, currency controls, and growing anti-Semitism. It was a premonition of what awaited him on the continent.

    In Berlin, he took up residence at the Hotel-Pension Stern on Kurfรผrstendamm, a middle-class establishment in the heart of the capital. There, in the breakfast rooms, amid the rustling of newspapers, he conducted his first interviews: politicians who were still wavering between loyalty and inner resistance, business leaders who saw the regime as both a threat and an opportunity, and university lecturers who were torn between academic caution and open ideological loyalty. But Fry didn’t just listen to the voices of the elites. He spoke to shopkeepers who reported boycott actions, to waiters who whispered about guests who had disappeared, to churchgoers who described the pressure on their pastors, and to taxi drivers whose sober cynicism often contained more truth than the official slogans.

    Kurfรผrstendamm became a burning mirror for Fry. Elegant strolling and intimidation by SA men existed side by side. One evening, he got caught up in a street battle: students were protesting against Gleichschaltung, and SA men were dispersing them with boots and batons. Fry, who only wanted to observe, was drawn into the melee. He escaped, but not without injuries โ€“ and not without an image of the violence he later described so vividly. Berlin had shown him how deeply ideology, fear, and violence had already penetrated everyday life.

    When Fry was sent to Marseille in 1940 on behalf of the Emergency Rescue Committee after the Wehrmacht invaded France, he was prepared. What he had only observed in Berlin now determined his actions: saving people who were on the Gestapo’s blacklists.

    Marseille, the last major port in unoccupied France, was a place of both hope and despair. Refugees from all over Europe flocked thereโ€”writers, artists, scientists, political dissidents. Fry worked under the guise of a journalist, but his real mission was to organize a rescue operation that was both improvised and life-threatening.

    His team was a diverse bunch: Miriam Davenport, the art historian; Mary Jayne Gold, a wealthy American who contributed money and courage; Daniel Bรฉnรฉdite, the French trade unionist who maintained contacts with officials and workers; and later also the young economist Albert Hirschman, who forged passports and organized escape routes. Together, they saved hundreds of people, including Marc Chagall, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Max Ernst, Hannah Arendt, and many others whose work shaped the cultural memory of the 20th century.

    The cooperation of the US was ambivalent. The Emergency Rescue Committee had sent him, but Washington kept its distance: officially, it did not want to risk a confrontation with Vichy France or Berlin. Fry therefore operated in a gray area, tolerated but viewed with suspicion. France also showed two faces: individual officials helped quietly, but the Vichy administration cooperated closely with the Germans and handed over refugees. It was only through bribery, forgery, and secret networks that Fry was able to continue his work.

    From Marseille, his contacts also extended to the Cรดte d’Azur: to Nice and Sanary-sur-Mer, where German exiles had been living since the early 1930sโ€”Heinrich and Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel, and many others. Fry built on these structures, helping with onward transport, organizing visas and ship passages to Spain and Portugal. In this way, he connected the escape routes along the coast with the rescue routes in Marseille.

    But in 1941, Vichy put an end to his work. Fry was expelled, exhausted and plagued by guilt because he could not save everyone. Back in New York, he reported on his experiences and wrote his book Surrender on Demand in 1945, but it went unnoticed for a long time. In the early post-war years, America did not want to be reminded of that period of inaction, when individuals had shown more courage than states. Fry himself lived on the fringes of the intellectual scene, scarred by what he had experienced.

    It was not until decades later that he received the recognition he deserved. In 1996, Yad Vashem honored him as the first American with the title โ€œRighteous Among the Nations.โ€ Today, France and Germany also remember the โ€œAmerican Schindler,โ€ who acted not out of political calculation but out of moral clarity.

    Varian Fry was both an observer and an actor. In Berlin, he had learned to see behind the facades; in Marseille, he had taken action; in the US, he had fought for remembrance. His life journeyโ€”from the salons of the ocean liner Bremen to the Pension Stern on Kurfรผrstendamm to the improvised rescue offices in Marseilleโ€”is testimony to the fact that even a single individual can take responsibility in the face of violence.


    in german:

    Varian Fry – Von Berlin nach Marseille

    Ein Leben zwischen Beobachtung und Verantwortung

    Als Varian Fry 1935 an Bord des Transatlantikliners Bremen nach Europa reiste, war er noch ein junger Journalist, getrieben von Neugier, Scharfsinn und einem unbestechlichen Blick fรผr die politischen Spannungen seiner Zeit. Schon auf der รœberfahrt, zwischen Diplomaten, Geschรคftsleuten und Emigranten, hรถrte er Gesprรคche รผber Hitlers Arbeitsbeschaffungsprogramme, รผber Devisenkontrollen und รผber den wachsenden Antisemitismus. Es war eine Vorahnung dessen, was ihn auf dem Kontinent erwartete.

    In Berlin bezog er Quartier in der Hotel-Pension Stern am Kurfรผrstendamm, einem bรผrgerlichen Haus im Herzen der Hauptstadt. Dort, in den Frรผhstรผcksrรคumen, beim Rascheln der Zeitungen, fรผhrte er seine ersten Interviews: Politiker, die noch zwischen Loyalitรคt und innerem Widerstand schwankten, Wirtschaftsfรผhrer, die im Regime ebenso Bedrohung wie Chance sahen, und Universitรคtsdozenten, die zwischen akademischer Vorsicht und offener Ideologietreue lavierten. Doch Fry hรถrte nicht nur den Stimmen der Eliten zu. Er sprach mit Ladenbesitzern, die von Boykottaktionen berichteten, mit Kellnern, die im Flรผsterton von verschwundenen Gรคsten erzรคhlten, mit Kirchenbesuchern, die den Druck auf ihre Pfarrer schilderten, und mit Taxichauffeuren, deren nรผchterner Zynismus oft mehr Wahrheit enthielt als die offiziellen Parolen.

    Der Kurfรผrstendamm wurde fรผr Fry zu einem Brennspiegel. Elegantes Flanieren und Einschรผchterung durch SA-Mรคnner existierten nebeneinander. Eines Abends geriet er in eine StraรŸenschlacht: Studenten protestierten gegen die Gleichschaltung, SA-Mรคnner trieben sie mit Stiefeln und Schlagstรถcken auseinander. Fry, der nur beobachten wollte, wurde in das Getรผmmel hineingezogen. Er entkam, aber nicht ohne Verletzungen โ€“ und nicht ohne ein Bild jener Gewalt, die er spรคter so eindringlich beschrieb. Berlin hatte ihm gezeigt, wie tief Ideologie, Angst und Gewalt bereits in den Alltag eingedrungen waren.

    Als Fry 1940, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich, im Auftrag des Emergency Rescue Committee nach Marseille entsandt wurde, war er vorbereitet. Was er in Berlin nur beobachtet hatte, bestimmte nun sein Handeln: Menschen retten, die auf den schwarzen Listen der Gestapo standen.

    Marseille, der letzte groรŸe Hafen im unbesetzten Frankreich, war ein Ort der Hoffnung und Verzweiflung zugleich. Flรผchtlinge aus ganz Europa strรถmten dorthin โ€“ Schriftsteller, Kรผnstler, Wissenschaftler, politische Dissidenten. Fry arbeitete unter dem Deckmantel eines Journalisten, doch sein eigentlicher Auftrag war die Organisation einer Rettungsmaschine, die zugleich improvisiert und lebensgefรคhrlich war.

    Sein Team war bunt zusammengesetzt: Miriam Davenport, die Kunsthistorikerin; Mary Jayne Gold, eine wohlhabende Amerikanerin, die Geld und Mut beisteuerte; Daniel Bรฉnรฉdite, der franzรถsische Gewerkschafter, der Kontakte zu Beamten und Arbeitern hielt; spรคter auch der junge ร–konom Albert Hirschman, der Pรคsse fรคlschte und Fluchtwege organisierte. Gemeinsam retteten sie Hunderte โ€“ unter ihnen Marc Chagall, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Max Ernst, Hannah Arendt und viele andere, deren Werk das kulturelle Gedรคchtnis des 20. Jahrhunderts prรคgt.

    Die Kooperation der USA war ambivalent. Das Emergency Rescue Committee hatte ihn entsandt, doch Washington hielt Distanz: Offiziell wollte man keine Konfrontation mit Vichy-Frankreich oder Berlin riskieren. Fry agierte daher im Graubereich, geduldet, aber misstrauisch beรคugt. Auch Frankreich zeigte zwei Gesichter: Einzelne Beamte halfen im Stillen, doch die Vichy-Administration kooperierte eng mit den Deutschen und lieferte Flรผchtlinge aus. Nur durch Bestechungen, Fรคlschungen und heimliche Netzwerke gelang es Fry, seine Arbeit fortzufรผhren.

    Von Marseille aus reichten seine Kontakte auch an die Cรดte dโ€™Azur: nach Nizza und nach Sanary-sur-Mer, wo bereits seit den frรผhen 1930er Jahren deutsche Exilanten lebten โ€“ Heinrich und Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Alma Mahler-Werfel und viele andere. Fry knรผpfte an diese Strukturen an, half beim Weitertransport, organisierte Visa und Schiffspassagen nach Spanien und Portugal. So verband er die Fluchtwege an der Kรผste mit den Rettungsrouten in Marseille.

    Doch 1941 setzte Vichy seiner Arbeit ein Ende. Fry wurde ausgewiesen, ausgelaugt und von Schuldgefรผhlen geplagt, weil er nicht alle retten konnte. Zurรผck in New York berichtete er, schrieb 1945 sein Buch Surrender on Demand, doch es blieb lange unbeachtet. Amerika wollte in den ersten Nachkriegsjahren nicht erinnert werden an jene Zeit der Untรคtigkeit, als Einzelne mehr Mut gezeigt hatten als Staaten. Fry selbst lebte am Rande der intellektuellen Szene, gezeichnet von dem, was er erlebt hatte.

    Erst Jahrzehnte spรคter erhielt er die Anerkennung, die ihm gebรผhrte. 1996 ehrte ihn Yad Vashem als ersten Amerikaner mit dem Titel โ€žGerechter unter den Vรถlkernโ€œ. Auch in Frankreich und Deutschland erinnert man heute an den โ€žamerikanischen Schindlerโ€œ, der nicht aus politischem Kalkรผl, sondern aus moralischer Klarheit handelte.

    Varian Fry war Beobachter und Akteur zugleich. In Berlin hatte er gelernt, hinter die Fassaden zu sehen, in Marseille hatte er gehandelt, in den USA hatte er fรผr Erinnerung gestritten. Sein Lebensweg โ€“ von den Salons des Linienschiffs Bremen รผber die Pension Stern am Kurfรผrstendamm bis zu den improvisierten Rettungsbรผros in Marseille โ€“ ist ein Zeugnis dafรผr, dass auch ein Einzelner im Angesicht der Gewalt Verantwortung รผbernehmen kann.


    Varian Fry

    Photo:Varian Fry in Marseille. Frankreich, 1940โ€“1941 in Marseille. US Holocaust Memorial Museum, courtesy of Annette Fry

  • Leseabende in Sanary โ€” die Exil-Salonkunst

    Thomas Mann und die Exil-Salonkunst

    in english below:

    Thomas Mann und die kleine Exil-Salonkunst

    Im Sommer 1933, kurz nach der Flucht vieler deutscher Intellektueller vor dem NS-Regime, verรคnderte sich das Leben in dem einst verschlafenen Fischerdorf Sanary-sur-Mer an der Cรดte dโ€™Azur. Unter den neu Angekommenen waren Thomas Mann und seine Familie; bald bildete sich um die Villen der Emigranten ein enges, kultiviertes Netzwerk aus Schriftstellern, Kritikern und Kรผnstlern. In diesem Milieu etablierten sich die berรผchtigten Lese- und Gesprรคchsabende โ€” zwanglose, zugleich hochintellektuelle Zusammenkรผnfte, die Thomas Mann, sein Bruder Heinrich, Renรฉ Schickele, Lion Feuchtwanger, Julius Meier-Graefe und andere regelmรครŸig besuchten oder selbst als Vortragende gestalteten. Diese Abende waren weder akademische Tagungen noch rein private Plauderstunden: sie verbanden Vorlesung, gegenseitige Kritik und politischen Austausch in einer Zeit, in der beides โ€” Kunst und ร–ffentlichkeit โ€” unter Druck geraten war. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1

    Deutsche Exilanten an der Cรดte d'Azur

    Rรคumliche und soziale Bรผhne
    Die Lesungen fanden hรคufig in den Gรคrten und Salons der groรŸen Villen statt โ€” etwa in der von Thomas Mann bewohnten โ€žVilla La Tranquilleโ€œ oder im Haus der Feuchtwangers und bei Renรฉ Schickele. Hier herrschte eine intime, fast familiรคre Atmosphรคre: ein Kreis ausgewรคhlter Gรคste, Tee oder Abendessen, ein Tisch oder ein Sessel als โ€žPultโ€œ fรผr den Vortragenden. Die physische Nรคhe der Hรคuser in Sanary sowie die starke Vernetzung der Emigranten machten die Stadt zu einem Ort, an dem private Salonpraxis und politisches Exil sich รผberlagerten. literaturportal-bayern.de+1

    Inhalte und Gesprรคchsgegenstรคnde
    Die Themen der Abende waren vielfรคltig, aber zwei Linien ziehen sich wie ein roter Faden durch die Berichte und Erinnerungen: erstens die literarische Arbeit (Vorlesen aus Romanen, Erzรคhlungen oder Essays, Diskussion von Werken in Arbeit), zweitens die Politik des Exils (die Lage in Deutschland, die Frage nach Widerstand, Verantwortung und kultureller Identitรคt). Thomas Mann selbst las gelegentlich aus eigenen Texten oder Entwรผrfenโ€” der Akt des Vorlesens war fรผr ihn ein Ritual, das Normalitรคt stiftete und gleichzeitig das Publikum unmittelbar an der Entstehung literarischer Form teilhaben lieรŸ. Andere Vortragende โ€” etwa Renรฉ Schickele oder Lion Feuchtwanger โ€” brachten Texte, feuilletonistische Reflexionen oder polemische Stellungnahmen zur gegenwรคrtigen politischen Lage ein. Kritik und Retrofit (formale Hinweise, stilistische Debatten) mischten sich mit ernsten Debatten รผber Exilpolitik, Publikationsmรถglichkeiten und die moralische Verpflichtung der Schriftsteller gegenรผber den Vertriebenen und den zurรผckgebliebenen Lesern. De Gruyter Brill+1

    Welche Rollen spielten die genannten Personen konkret?
    Renรฉ Schickele galt als Brรผckenfigur zwischen der deutsch-franzรถsischen Kulturwelt und las sowohl literarische Texte als auch kulturkritische Essays. Julius Meier-Graefe, Kunstkritiker und weithin respektierter Intellektueller, trug kunsttheoretische Betrachtungen vor und kommentierte die kulturelle Lage Europas. Lion Feuchtwanger, ein aktiver politischer Intellektueller, nutzte die Runden oft, um รผber Publikationsstrategien, Leihnetzwerke und die Notwendigkeit kollektiven Handelns zu sprechen. Heinrich Mann, stets politisch engagiert, brachte historische und รถffentliche Perspektiven ein โ€” die Brรผder Thomas und Heinrich ergรคnzten einander hier oft: der eine literarisch, der andere programmatisch-politisch. Diese differenzierten Beitrรคge lieรŸen die Abende zu einem Ort werden, an dem sowohl Formfragen (ร„sthetik, Stil) als auch Existenzfragen (Flucht, Publikation, Exilerfahrung) verhandelt wurden. literaturportal-bayern.de+1

    Gibt es Aufzeichnungen der Gesprรคche?
    Zu den Lesungen selbst existieren keine bekannten systematischen Ton- oder Filmaufzeichnungen der privaten Salonabende in Sanary; es handelt sich zumeist um mรผndliche, geschlossene Runden, deren Protokolle allenfalls bruchstรผckhaft in Briefen, Tagebuchnotizen oder spรคteren Erinnerungen auftauchen. Die wichtigste Quelle fรผr die Rekonstruktion dieser Abende sind deshalb persรถnliche Briefe, Tagebรผcher, Memoiren und Korrespondenzen der Beteiligten sowie Nachlรคsse in Archiven (z. B. das Thomas-Mann-Archiv in Zรผrich, Feuchtwanger-Sammlungen, verschiedene Universitรคtsarchive), die Manuskripte, Skizzen und gelegentlich schriftliche Notizen zu Vortrรคgen enthalten. Wer die Diskussionen โ€žnachhรถrtโ€œ, tut dies durch sorgfรคltiges Studium dieser Dokumente โ€” die Lesarten bleiben dabei notwendigerweise selektiv und rekonstruierend. Thomas-Mann-Archiv+1

    Tonaufnahmen Thomas Manns existieren zwar (etwa frรผhe Aufnahmen und spรคter die BBC-Ansprachen โ€žDeutsche Hรถrer!โ€œ), doch diese dokumentieren รถffentliche Reden und Rundfunksendungen โ€” nicht die privaten Leseabende in Sanary. Fรผr die Abende selbst muss man sich auf schriftliche Quellen stรผtzen. Wikipedia+1

    Quellenlage und Forschungsmรถglichkeiten
    Wer heute mehr รผber die Leseabende wissen will, findet wertvolle Hinweise in lokalen Sammlungen (Gemeindearchiv Sanary, touristische Dokumentationen zur โ€žStadt des Exilsโ€œ), in den groรŸen Nachlass-Archiven (Thomas-Mann-Archiv ETH Zรผrich, Feuchtwanger-Papers, Nachlรคsse bei Universitรคten) und in wissenschaftlichen Arbeiten zur Exilliteratur und zur deutsch-franzรถsischen Emigrationsgemeinschaft der 1930er Jahre. Sekundรคrliteratur, Konferenzbeitrรคge und Monographien rekonstruieren die soziale Praxis dieser Salons und ordnen die Gesprรคche in die grรถรŸere Geschichte des Exils ein. Office de Tourisme Sanary sur Mer+2nomadit.co.uk+2

    Normalitรคt als Widerstandsform
    Die Leseabende in Sanary erscheinen, bei aller Intellektualitรคt, auch als ein Akt des Alltags: das wiederholte Vorlesen, die Diskussion รผber Form, die Pflege รคsthetischer Rituale โ€“ all das war mehr als Kulturpflege; es war ein Widerstand gegen die Zerstรถrung einer kulturellen Ordnung. In den kleinen Salons von Sanary verwoben sich Literatur und politisches Bewusstsein, und die Abende selbst wurden zu Zeugnissen jener fragile Normalitรคt, die Exilanten suchten und zugleich verteidigten. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1



    Wichtige Archiv- und Nachlassquellen

    Archiv / SammlungRelevante Bestรคnde / MaterialienHinweise zur Einsicht
    Thomas-Mann-Archiv, ETH ZรผrichUmfasst Manuskripte, Typoskripte, Korrespondenzen (ca. 16 000 Briefe, plus Briefe von und an Katia, Tรถchter etc.) thomas-mann-gesellschaft.de+2Thomas-Mann-Archiv+2Die Metadaten und Beschreibungen vieler Briefe sind online verfรผgbar; digitale Handschriften werden zunehmend zugรคnglich gemacht (teilweise nur im Lesesaal) Thomas-Mann-Archiv+1
    Feuchtwanger-Nachlass / Feuchtwanger Memorial LibraryBriefe, Tagebuchaufzeichnungen, Gรคstelisten, mรถgliche Notizen zu SalonrundenDie Feuchtwanger Archives sind Teil des Netzwerks literarischer Forschungseinrichtungen (z. B. in den USA) thomasmanninternational.com+1
    Deutsches Literaturarchiv MarbachAllgemeine Quellen zur Exilliteratur, Korrespondenzen von Emigranten, Sammlungen zu Meier-Graefe etc.Als groรŸes Literaturarchiv fรผhrt Marbach vielfรคltige Brief- und Manuskriptbestรคnde, auch zu Exilautoren thomasmanninternational.com+1
    Heinrich-Mann-Archiv / Akademie der Kรผnste, BerlinBriefe, Manuskripte, Materialien von Heinrich MannTeil des Thomas-Mann-International / Netzwerks der Mann-Archive thomasmanninternational.com+1
    Thomas Mann Collection, Yale UniversityManuskripte, Briefe und Dokumente (in Ergรคnzung zu den Bestรคnden in Zรผrich) archives.yale.eduFรผr Forschende mit Zugang zu US-Archiven relevant

    Exemplarische Fundstรผcke & Exzerpte

    Nachfolgend einige konkrete Nachweise, die (teilweise) Ausblicke auf die Sanary-Leseabende und ihr Umfeld ermรถglichen:

    1. Rene Schickele, Tagebuch 8. Mai 1933
      Schickele notiert eine Begegnung mit Thomas Mann: โ€žEr sieht schlecht aus โ€ฆ sehr bedrรผckt โ€ฆ Fรผr Heinrich Mann bedeutet die Verbannung โ€ฆ keine groรŸe Verรคnderung โ€ฆ Thomas โ€ฆ ist โ€ฆ aus allen Himmeln gefallen.โ€œ
      Damit gibt Schickele einen Stimmungsbeitrag zur frรผhen Exilphase ab. literaturportal-bayern.de
    2. Thomas Mann โ€” Brief an Hermann Hesse, 31. Juli 1933
      In diesem Brief รคuรŸert Thomas Mann seine inneren Konflikte mit der Exilsituation: โ€žIch habe meinen Kampf durchgekรคmpft. Es kommen freilich immer noch Augenblicke, in denen ich mich frage: warum eigentlich? โ€ฆ Es ginge nicht, ich wรผrde verkommen โ€ฆโ€œ
      Der Brief belegt, wie literarisches Schaffen in Sanary mit existenzieller Unsicherheit gekoppelt war. literaturportal-bayern.de
    3. Monika Mann, Erinnerungen
      Monika Mann schildert, wie ihr Vater in der Villa La Tranquille Leseabende fortsetzte, die bereits in Bandol begonnen worden waren, und dass neben ihm auch Schickele, Feuchtwanger und Heinrich Mann Texte vortrugen. literaturportal-bayern.de+2literaturportal-bayern.de+2
    4. Sanary: โ€œVilla Valmerโ€ โ€” Feuchtwangerโ€™s Salon
      Nachdem Thomas Mann Sanary verlassen hatte, wurde die Villa Valmer zum Treffpunkt literarischer Kreise, mit Lesungen und Gedankenaustausch. Marta Feuchtwanger organisierte Teegesellschaften, zu denen bis zu sechzig Gรคste eingeladen wurden. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1
    5. Sekundรคrliteratur / Exilstudien
      In der Studie Sanary โ€“ Deutsche Literatur im Exil ist ein Brief von Schickele an Thomas Mann vom 17. April 1933 erwรคhnt, der im Kontext der Exilvermittlung steht. SpringerLink
      In Exile in Paradise: A Literary History of Sanary-sur-Mer werden die intellektuellen Netzwerke, die institutionelle Infrastruktur der Exilkolonie und die literarische Praxis in Sanary aus kulturhistorischer Sicht analysiert. nomadit.co.uk+2nomadit.co.uk+2
    6. Literaturportal Bayern
      Dort heiรŸt es: โ€žIn der Villa La Tranquille setzt Thomas Mann seine bereits in Bandol begonnen Leseabende fort. โ€ฆ Hier tragen Autoren wie Rene Schickele, Lion Feuchtwanger, sein Bruder Heinrich aber auch er selbst Texte vor.โ€œ literaturportal-bayern.de
    Thomas Mann
    Renรฉ Schickele
    Renรฉ Schickele

    in english:

    Reading evenings in Sanary โ€” the art of the salon in exile

    Thomas Mann and the small art of exile salons

    In the summer of 1933, shortly after many German intellectuals fled the Nazi regime, life changed in the once sleepy fishing village of Sanary-sur-Mer on the Cรดte d’Azur. Among the new arrivals were Thomas Mann and his family; soon a close-knit, cultured network of writers, critics, and artists formed around the villas of the emigrants. This milieu gave rise to the infamous reading and discussion eveningsโ€”casual yet highly intellectual gatherings that Thomas Mann, his brother Heinrich, Renรฉ Schickele, Lion Feuchtwanger, Julius Meier-Graefe, and others regularly attended or even organized themselves as speakers. These evenings were neither academic conferences nor purely private chats: they combined lectures, mutual criticism, and political exchange at a time when both art and public life were under pressure. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1

    Spatial and social stage
    The readings often took place in the gardens and salons of large villasโ€”such as Thomas Mann’s โ€œVilla La Tranquille,โ€ the Feuchtwangers’ house, and Renรฉ Schickele’s home. These venues fostered an intimate, almost familial atmosphere: a circle of select guests, tea or dinner, a table or armchair serving as a โ€œlecternโ€ for the speaker. The physical proximity of the houses in Sanary and the strong network of emigrants made the town a place where private salon practice and political exile overlapped. literaturportal-bayern.de+1

    Contents and topics of conversation
    The topics of the evenings were varied, but two themes run like a thread through the reports and memories: first, literary work (readings from novels, stories, or essays, discussion of works in progress); second, the politics of exile (the situation in Germany, the question of resistance, responsibility, and cultural identity). Thomas Mann himself occasionally read from his own texts or draftsโ€”for him, the act of reading aloud was a ritual that created normality and at the same time allowed the audience to participate directly in the creation of literary form. Other speakersโ€”such as Renรฉ Schickele and Lion Feuchtwangerโ€”contributed texts, feuilletonistic reflections, or polemical statements on the current political situation. Criticism and retrofitting (formal references, stylistic debates) mingled with serious debates about exile politics, publication opportunities, and the moral obligation of writers toward displaced persons and readers who had been left behind. De Gruyter Brill+1

    What specific roles did the individuals mentioned play?
    Renรฉ Schickele was regarded as a bridge between German and French cultural circles and read both literary texts and cultural criticism essays. Julius Meier-Graefe, art critic and widely respected intellectual, presented art theory observations and commented on the cultural situation in Europe. Lion Feuchtwanger, an active political intellectual, often used the gatherings to discuss publication strategies, lending networks, and the need for collective action. Heinrich Mann, always politically engaged, contributed historical and public perspectivesโ€”the brothers Thomas and Heinrich often complemented each other here: one literarily, the other programmatically and politically. These nuanced contributions made the evenings a place where both formal questions (aesthetics, style) and existential questions (flight, publication, exile experience) were negotiated. literaturportal-bayern.de+1

    Are there any recordings of the conversations?
    There are no known systematic audio or film recordings of the private salon evenings in Sanary; these were mostly closed, oral gatherings, with only fragmentary accounts appearing in letters, diary entries, or later memoirs. The most important sources for reconstructing these evenings are therefore personal letters, diaries, memoirs, and correspondence of those involved, as well as estates in archives (e.g., the Thomas Mann Archive in Zurich, Feuchtwanger collections, various university archives), which contain manuscripts, sketches, and occasionally written notes on lectures. Anyone who โ€œlistens inโ€ on the discussions does so by carefully studying these documentsโ€”the interpretations necessarily remain selective and reconstructive. Thomas Mann Archive+1

    Although audio recordings of Thomas Mann exist (such as early recordings and later the BBC addresses โ€œDeutsche Hรถrer!โ€), these document public speeches and radio broadcastsโ€”not the private reading evenings in Sanary. For the evenings themselves, one must rely on written sources. Wikipedia+1

    Sources and research opportunities
    Anyone who wants to know more about the reading evenings today will find valuable information in local collections (Sanary municipal archives, tourist documentation on the โ€œcity of exileโ€), in the major estate archives (Thomas Mann Archive at ETH Zurich, Feuchtwanger Papers, bequests at universities) and in academic works on exile literature and the German-French emigrant community of the 1930s. Secondary literature, conference papers, and monographs reconstruct the social practice of these salons and place the conversations in the larger history of exile. Office de Tourisme Sanary sur Mer+2nomadit.co.uk+2

    Normality as a form of resistance
    Despite their intellectual nature, the reading evenings in Sanary also appear to be an act of everyday life: the repeated reading aloud, the discussion of form, the cultivation of aesthetic rituals โ€“ all this was more than just cultural preservation; it was resistance against the destruction of a cultural order. In the small salons of Sanary, literature and political awareness intertwined, and the evenings themselves became testimonies to the fragile normality that exiles sought and defended at the same time. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1


    Exemplary findings & excerpts

    Below are some specific examples that provide (partial) insights into the Sanary reading evenings and their context:

    1. Renรฉ Schickele, Diary, May 8, 1933
      Schickele notes an encounter with Thomas Mann: โ€œHe looks terrible โ€ฆ very depressed โ€ฆ For Heinrich Mann, exile means โ€ฆ no great change โ€ฆ Thomas โ€ฆ has โ€ฆ fallen from heaven.โ€ Schickele thus contributes to the mood of the early exile phase. literaturportal-bayern.de
    2. Thomas Mann โ€” Letter to Hermann Hesse, July 31, 1933
      In this letter, Thomas Mann expresses his inner conflicts with his situation in exile: โ€œI have fought my battle. Of course, there are still moments when I ask myself: why, actually? โ€ฆ It wouldn’t work, I would degenerate โ€ฆโ€The letter shows how literary creativity in Sanary was linked to existential uncertainty. literaturportal-bayern.de
    3. Monika Mann, Memories
      Monika Mann describes how her father continued the reading evenings at Villa La Tranquille that had already begun in Bandol, and that Schickele, Feuchtwanger, and Heinrich Mann also recited texts alongside him. literaturportal-bayern.de+2literaturportal-bayern.de+2
    4. Sanary: โ€œVilla Valmerโ€ โ€” Feuchtwangerโ€™s Salon
      After Thomas Mann left Sanary, Villa Valmer became a meeting place for literary circles, with readings and exchanges of ideas. Marta Feuchtwanger organized tea parties to which up to sixty guests were invited. Office de Tourisme Sanary sur Mer+1
    5. Secondary literature / Exile studies
      The study Sanary โ€“ Deutsche Literatur im Exil (Sanary โ€“ German Literature in Exile) mentions a letter from Schickele to Thomas Mann dated April 17, 1933, which relates to the mediation of exile. SpringerLinkExile in Paradise: A Literary History of Sanary-sur-Mer analyzes the intellectual networks, institutional infrastructure of the exile colony, and literary practice in Sanary from a cultural-historical perspective. nomadit.co.uk+2nomadit.co.uk+2
    6. Literature Portal Bavaria
      It states: โ€œAt Villa La Tranquille, Thomas Mann continues the reading evenings he began in Bandol. โ€ฆ Here, authors such as Rene Schickele, Lion Feuchtwanger, his brother Heinrich, and Mann himself recite texts.โ€ literaturportal-bayern.de
  • APร‰RO AT TWELVE

    ABOUT TWO PEOPLE WHO MOVED TO FRANCE TO LIVE

    A book for all fans of France. And a wealth of experience for anyone who wants to follow in the author’s footsteps and make their dream of emigrating to France a reality.

    โ€žAufgeben ist keine Option, wenn es darum geht, sich seinen Traum zu erfรผllen.โ€œ
    โ€“ Ines Sachs โ€“

    Author Ines Sachs and her husband decide to leave Germany behind and live a life in the sunshine of southern France. In this book, she describes her emigration with affection and a great deal of humor: how the dream becomes a plan (it’s no coincidence that she is married to a project manager), the minor difficulties and major hurdles that need to be overcome, and finally the arrival in their new home, which does not go as smoothly as they had imagined.