Category: Literature

  • What impact did Graham Greene’s books have on life in Nice?

    Graham Greene spent over two decades in Nice (from the 1960s to the 1980s) and, with his books and personality, shaped not only the literary image of the city, but also the international public’s perception of Nice. The impact of his works on life in Nice can be described in several dimensions:

    1. Literary portrait of a city in the shadows
      Greene did not portray Nice as a glamorous holiday resort on the Cรดte d’Azur, but as a place with two faces: behind the glittering faรงade of the Promenade des Anglais lay corruption, crime, exiles, shady deals and human abysses. Novels such as Doctor Fischer of Geneva or The Bomb Party and his essays on the city painted a picture of Nice that was far removed from the idyllic postcard image. This โ€˜other Niceโ€™ became internationally known through him.
    2. Influence on the city’s self-image
      Greene was a prominent citizen of Nice and at the same time a sharp critic. He repeatedly attacked the corruption of local politicians in public, especially during the long era of Mayor Jacques Mรฉdecin. His literary and journalistic texts raised public awareness of these abuses. For some residents, he was an uncomfortable voice of warning, for others a kind of moral conscience.
    3. Impact on international perception
      His books made Nice not only a glamorous holiday destination for many readers worldwide, but also a stage for moral twilight, a โ€˜Greene landscapeโ€™ of intrigue, espionage, chance encounters and existential loneliness. This ambivalence influenced the city’s tourist and cultural image abroad.
    4. Literary appeal and lasting impact
      The fact that Greene lived in Nice and wrote about the city attracted other writers, journalists and intellectuals. Even today, literary city tours visit places associated with him โ€“ cafรฉs, hotels, streets. In doing so, he has secured Nice a permanent place in the โ€˜portfolio of world literatureโ€™.

    ๐Ÿ‘‰ In summary:
    Graham Greene’s books and writings about Nice had less direct social impact, but a strong cultural and symbolic impact. They made the city an international symbol of a โ€˜moral landscapeโ€™ full of contradictions, helped to highlight political injustices, and contributed to Nice being associated not only with sun and beaches, but also with literature, criticism and world views.


    A literary stroll through Graham Greene’s Nice

    1. Promenade des Anglais

    The famous coastal road is full of elegance on postcards, but for Greene it was often a place of shadows. He saw not only the sun and sea here, but also the gap between wealth and poverty. Walks along the promenade were part of his daily routine โ€“ but at the same time, it was a backdrop for stories of chance, encounters, and melancholy.

    1. Hรดtel Negresco

    The magnificent Belle ร‰poque hotel by the sea served as a symbol of luxury for Greene, which he viewed with suspicion. In his descriptions, the Negresco becomes a stage on which the rich celebrate, while corruption and decay reign outside. For today’s visitors, it is a key location for understanding Greene’s ambivalent relationship with glamorous Nice.

    1. Old Town of Nice (Vieux Nice)

    The narrow, dark alleys with markets, small bars, and a touch of decay appealed to Greene more than the gleaming facades of the beach hotels. Here he found the material for his observations: everyday life, the hidden, the margins of society. A stroll through the Rue de la Prรฉfecture or the Cours Saleya still gives a sense of this atmosphere today.

    1. Cafรฉ de Turin (Place Garibaldi)

    Greene liebte es, in Cafรฉs zu sitzen und Menschen zu beobachten. Das โ€žCafรฉ de Turinโ€œ, berรผhmt fรผr Austern und Meeresfrรผchte, gehรถrte zu seinen bevorzugten Plรคtzen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Einheimischen, Reisenden und Exilanten โ€“ eine soziale Bรผhne, wie sie Greene fรผr seine Geschichten brauchte.

    1. Sein Wohnhaus in Cimiez

    Greene lebte lange im Viertel Cimiez, auf den Hรผgeln รผber der Stadt, wo einst auch Kรถnigin Victoria residierte. Dort hatte er Ruhe, zugleich aber auch Distanz zum Trubel der Kรผste. Von hier aus schrieb er, fรผhrte Korrespondenzen und empfing Besucher. Das Viertel selbst โ€“ mit seinen Palรคsten, Olivenhainen und alten Klรถstern โ€“ zeigt die Ambivalenz von Nizzas Geschichte zwischen Adel und Moderne.

    1. Place Massรฉna

    Der groรŸe Platz im Herzen der Stadt war fรผr Greene ein Ort der Beobachtung. Hinter den klassizistischen Fassaden verbarg sich fรผr ihn nicht nur Eleganz, sondern auch das Geschรคftemachen und die Nรคhe zur politischen Macht. Hier verdichtete sich sein Bild vom โ€žanderen Nizzaโ€œ โ€“ einem Ort, der nie nur schรถn, sondern immer auch zwielichtig war.

    1. Das politische Nizza โ€“ Rathaus und Gericht

    Greene engagierte sich รถffentlich gegen die Korruption unter Bรผrgermeister Jacques Mรฉdecin. Diese Haltung floss auch in sein literarisches Portrรคt der Stadt ein. Wer heute das Rathaus oder das Palais de Justice besucht, sieht Orte, die fรผr Greene nicht nur Verwaltungsgebรคude, sondern Symbole einer politisch unterwanderten Stadt waren.

    Nizza durch Greeneโ€™s Augen erleben

    Wer Nizza besucht, kann durch seine Orte spazieren und zugleich die unsichtbare Ebene seiner Literatur entdecken:

    Die Promenade ist nicht nur Meer, sondern auch Bรผhne fรผr Einsamkeit.

    Die Altstadt zeigt das wahre Leben hinter der glรคnzenden Fassade.

    Cafรฉs und Plรคtze sind Orte, an denen Geschichten entstehen.

    Graham Greene hat Nizza damit eine zweite Identitรคt geschenkt: hinter dem touristischen Bild liegt eine literarische Stadt, in der man stets zwischen Licht und Schatten wandert.


    in deutsch:

    Graham Greene verbrachte รผber zwei Jahrzehnte in Nizza (von den 1960er bis in die 1980er Jahre) und prรคgte mit seinen Bรผchern und seiner Persรถnlichkeit nicht nur das literarische Bild der Stadt, sondern auch die Wahrnehmung Nizzas in der internationalen ร–ffentlichkeit. Die Auswirkungen seiner Werke auf das Leben in Nizza lassen sich in mehreren Dimensionen beschreiben:

    1. Literarisches Portrรคt einer Stadt im Schatten
    Greene zeigte Nizza nicht als glamourรถsen Ferienort der Cรดte dโ€™Azur, sondern als Ort mit zwei Gesichtern: hinter der glรคnzenden Fassade der Promenade des Anglais verbargen sich Korruption, Kriminalitรคt, Exilanten, zwielichtige Geschรคfte und menschliche Abgrรผnde. Romane wie โ€žDoctor Fischer of Geneva or The Bomb Partyโ€œ oder seine Essays รผber die Stadt zeichneten ein Bild von Nizza, das weit weg war vom Postkartenidyll. Dieses โ€žandere Nizzaโ€œ wurde durch ihn international bekannt.

    2. Einfluss auf das Selbstbild der Stadt
    Greene war ein prominenter Bรผrger Nizzas und zugleich ein scharfer Kritiker. Er attackierte immer wieder รถffentlich die Korruption der lokalen Politiker, insbesondere die lange ร„ra des Bรผrgermeisters Jacques Mรฉdecin. Seine literarischen und journalistischen Texte verstรคrkten das Bewusstsein der Bevรถlkerung fรผr diese Missstรคnde. Fรผr manche Einwohner war er ein unbequemer Mahner, fรผr andere eine Art moralisches Gewissen.

    3. Wirkung auf die internationale Wahrnehmung
    Seine Bรผcher machten Nizza fรผr viele Leser weltweit nicht nur zu einem mondรคnen Urlaubsort, sondern zu einer Bรผhne des moralischen Zwielichts, einer โ€žGreene-Landschaftโ€œ aus Intrigen, Spionage, Zufallsbegegnungen und existenzieller Einsamkeit. Diese Ambivalenz beeinflusste die touristische und kulturelle AuรŸendarstellung der Stadt.

    4. Literarische Anziehungskraft und Nachwirkung
    Dass Greene in Nizza lebte und รผber die Stadt schrieb, zog andere Schriftsteller, Journalisten und Intellektuelle an. Noch heute werden in literarischen Stadtfรผhrungen Orte aufgesucht, die mit ihm verbunden sind โ€“ Cafรฉs, Hotels, StraรŸen. Damit hat er Nizza einen festen Platz in der โ€žMappe der Weltliteraturโ€œ verschafft.

    ๐Ÿ‘‰ Zusammengefasst:
    Die Bรผcher und Schriften von Graham Greene รผber Nizza hatten weniger direkte gesellschaftliche, aber starke kulturelle und symbolische Auswirkungen. Sie machten die Stadt international zum Sinnbild einer โ€žmoralischen Landschaftโ€œ voller Widersprรผche, halfen, politische Missstรคnde sichtbar zu machen, und trugen dazu bei, dass Nizza nicht nur mit Sonne und Strand, sondern auch mit Literatur, Kritik und Weltbetrachtung verbunden wird.


    Hier ein literarischer Stadtfรผhrer durch Graham Greenes Nizza, der dir Orte und Atmosphรคren nรคherbringt, die fรผr ihn prรคgend waren und die in seinem Leben und Werk eine Rolle spielten:


    Ein literarischer Spaziergang durch Graham Greenes Nizza

    1. Promenade des Anglais

    Die berรผhmte UferstraรŸe ist auf Postkarten voller Eleganz, fรผr Greene aber oft ein Ort der Schatten. Er sah hier nicht nur Sonne und Meer, sondern auch den Abstand zwischen Reichtum und Armut. Spaziergรคnge an der Promenade gehรถrten zu seinem Alltag โ€“ gleichzeitig aber war sie eine Kulisse fรผr Geschichten von Zufall, Begegnung und Melancholie.


    2. Hรดtel Negresco

    Das prachtvolle Belle-ร‰poque-Hotel am Meer diente Greene als Symbol fรผr den Luxus, den er misstrauisch beรคugte. In seinen Beschreibungen wird das Negresco zur Bรผhne, auf der die Reichen feiern, wรคhrend auรŸerhalb Korruption und Verfall herrschen. Fรผr heutige Besucher ist es ein Schlรผsselort, um Greeneโ€™s ambivalentes Verhรคltnis zum mondรคnen Nizza zu verstehen.


    3. Altstadt von Nizza (Vieux Nice)

    Die engen, dunklen Gassen mit Mรคrkten, kleinen Bars und einem Hauch von Verfall sprachen Greene mehr an als die glรคnzende Fassade der Strandhotels. Hier fand er den Stoff fรผr seine Beobachtungen: das alltรคgliche Leben, das Verborgene, die Rรคnder der Gesellschaft. Ein Spaziergang durch die Rue de la Prรฉfecture oder den Cours Saleya lรคsst noch heute etwas von dieser Atmosphรคre spรผren.


    4. Cafรฉ de Turin (Place Garibaldi)

    Greene liebte es, in Cafรฉs zu sitzen und Menschen zu beobachten. Das โ€žCafรฉ de Turinโ€œ, berรผhmt fรผr Austern und Meeresfrรผchte, gehรถrte zu seinen bevorzugten Plรคtzen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Einheimischen, Reisenden und Exilanten โ€“ eine soziale Bรผhne, wie sie Greene fรผr seine Geschichten brauchte.


    5. Sein Wohnhaus in Cimiez

    Greene lebte lange im Viertel Cimiez, auf den Hรผgeln รผber der Stadt, wo einst auch Kรถnigin Victoria residierte. Dort hatte er Ruhe, zugleich aber auch Distanz zum Trubel der Kรผste. Von hier aus schrieb er, fรผhrte Korrespondenzen und empfing Besucher. Das Viertel selbst โ€“ mit seinen Palรคsten, Olivenhainen und alten Klรถstern โ€“ zeigt die Ambivalenz von Nizzas Geschichte zwischen Adel und Moderne.


    6. Place Massรฉna

    Der groรŸe Platz im Herzen der Stadt war fรผr Greene ein Ort der Beobachtung. Hinter den klassizistischen Fassaden verbarg sich fรผr ihn nicht nur Eleganz, sondern auch das Geschรคftemachen und die Nรคhe zur politischen Macht. Hier verdichtete sich sein Bild vom โ€žanderen Nizzaโ€œ โ€“ einem Ort, der nie nur schรถn, sondern immer auch zwielichtig war.


    7. Das politische Nizza โ€“ Rathaus und Gericht

    Greene engagierte sich รถffentlich gegen die Korruption unter Bรผrgermeister Jacques Mรฉdecin. Diese Haltung floss auch in sein literarisches Portrรคt der Stadt ein. Wer heute das Rathaus oder das Palais de Justice besucht, sieht Orte, die fรผr Greene nicht nur Verwaltungsgebรคude, sondern Symbole einer politisch unterwanderten Stadt waren.


    Nizza durch Greeneโ€™s Augen erleben

    Wer Nizza besucht, kann durch seine Orte spazieren und zugleich die unsichtbare Ebene seiner Literatur entdecken:

    • Die Promenade ist nicht nur Meer, sondern auch Bรผhne fรผr Einsamkeit.
    • Die Altstadt zeigt das wahre Leben hinter der glรคnzenden Fassade.
    • Cafรฉs und Plรคtze sind Orte, an denen Geschichten entstehen.

    Graham Greene hat Nizza damit eine zweite Identitรคt geschenkt: hinter dem touristischen Bild liegt eine literarische Stadt, in der man stets zwischen Licht und Schatten wandert.

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  • Thomas Mann on Wagner, Nietzsche and Freud

    Thomas Mann on Wagner, Nietzsche, and Freud โ€“ Germanness as reflected in modernity

    When Thomas Mann speaks, people listen โ€“ not only because of the elegance of his language, but also because of his sharp insight into German culture. In his lecture on Richard Wagner on February 10, 1933, he ventured an interpretation that removed the composer from the sphere of nationalistic veneration and placed him in the vicinity of another authority that was just beginning to take effect: Sigmund Freud’s new ideas.

    Thomas Mann portrays Richard Wagner as an artist of a broken modernity, as a figure who does not rest in sublimity but is marked by inner conflicts. The excess, the pathos, the ecstatic exaggeration of his music appear to Mann as symptoms of a psychological struggle โ€“ an expression of the unconscious that Freud had made visible for the first time.

    In this interpretation, Wagner’s โ€œGermannessโ€ is not understood as a proud, flawless force, but as a spiritual fabric of greatness and illness, of creative vision and corrosive self-analysis. For Mann, Wagner is not a national saint, but the first great representative of a modern, self-questioning Germany.

    But Thomas Mann did not stop at psychoanalytic interpretation. He drew further parallels โ€“ to Friedrich Nietzsche, the philosopher who was initially ardently devoted to the โ€œMaster of Bayreuthโ€ before turning away from him in a radical break. For Mann, this relationship was particularly revealing: Nietzsche recognized in Wagner’s intoxication, demonism, and excess the danger of exaggeration that could tip over into pathology.

    In Nice, where Mann lived for a time, he sensed the same tension between illness and creation that Nietzsche had experienced so vividly in the south. Nice, with its light and its vastness, became a contrasting image for both of themโ€”a place of recovery and clarity, but also of painful self-observation. For Mann, Wagner embodied the abysmal German, while Nietzsche represented the critical, clarifying authority that rejected this legacy and at the same time transformed it creatively.

    But Thomas Mann himself was always reflected in this constellation. Like Wagner, he saw himself as an artist who drew inspiration from inner turmoil. The โ€œbourgeois solidityโ€ he embodied outwardly only partially concealed the abysses and ambivalences that nourished his work. From Nietzsche, he adopted the role of the self-analyst who recognizes weakness, critically penetrates it, and thereby overcomes it.

    In Nice, in the light of the Cรดte d’Azur, this self-interpretation became particularly clear to Mann. The south made him realize that Germanness was not only fate, but also a task: to reflect on it critically, to name its dangers, and to transform it from within. Wagner, Nietzsche, and Freud were not mere points of reference for him, but reflections of his own existence.

    This lecture on Wagner thus goes far beyond music. It proves to be a key text on Thomas Mann’s journey from defender of the โ€œGerman essenceโ€ in Reflections of an Unpolitical Man to sharp critic who opposed National Socialism in exile. What began in Nice in reflections on Wagner and Nietzsche found its conclusion in a clear rejection of self-destructive Germanness.

    Thomas Mann’s interpretation of Wagner is a document of intellectual self-discovery: the linking of music, philosophy, and psychoanalysis into a triad of modernityโ€”and at the same time the confession of a poet who recognized his own destiny in the mirror of Wagner and Nietzsche.

    Thomas Mann und Friedrich Nietzsche, Siegmund Freud und Richard Wagner
  • Renรฉ Schickele โ€“ Zwischen Schwarzwald und Cรดte dโ€™Azur

    Renรฉ Schickele โ€“ Zwischen Schwarzwald und Cรดte dโ€™Azur
    Ein Literat im Exil und seine Begegnungen mit der europรคischen Bohรจme

    Renรฉ Schickele, deutsch-franzรถsischer Schriftsteller, Publizist und รผberzeugter Europรคer, verbrachte die letzten Jahre seines Lebens zwischen drei sehr unterschiedlichen, aber fรผr ihn prรคgenden Orten: dem Kurort Badenweiler im Schwarzwald, dem pittoresken Sanary-sur-Mer in Sรผdfrankreich und der Hafenstadt Nizza.

    Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 musste Schickele Deutschland verlassen. Badenweiler, wo er in den 1920er-Jahren zeitweise gelebt hatte und im Austausch mit anderen Intellektuellen stand, wurde fรผr ihn zu einem Ort der Erinnerung โ€“ ein Rรผckzugsort, an den er spรคter nur noch gedanklich zurรผckkehren konnte.

    Das eigentliche Zentrum seines Exils wurde jedoch Sanary-sur-Mer, ein kleines Fischerdorf in der Provence, das in den 1930er-Jahren zu einem Sammelpunkt deutschsprachiger Exilanten und europรคischer Kรผnstler wurde. Hier traf Schickele auf eine illustre Gesellschaft: Schriftsteller wie Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Franz Werfel suchten ebenso Schutz vor dem politischen Klima wie Kรผnstlerinnen und Kรผnstler der bildenden Kunst. Auch Erwin Piscator, der Theaterreformer, und Alma Mahler-Werfel gehรถrten zum Kreis. In den Cafรฉs und an den Uferpromenaden Sanarys wurden politische Fragen ebenso intensiv diskutiert wie literarische Projekte โ€“ ein geistiger Freiraum, den die Exilierten dringend brauchten.

    Fรผr Schickele war Sanary nicht nur ein Ort der Zuflucht, sondern auch ein Treffpunkt fรผr den europรคischen Dialog. In Gesprรคchen mit Feuchtwanger oder den Manns vertiefte er seine Vorstellung eines รผbernationalen, humanistischen Europas โ€“ ein Leitgedanke, der sich wie ein roter Faden durch sein Werk zog.

    Spรคter zog es ihn weiter nach Nizza, wo er die milden Winter an der Cรดte dโ€™Azur verbrachte. Hier verschlechterte sich jedoch sein Gesundheitszustand, und die politische Lage in Europa lieรŸ ihm keine Ruhe. Trotz der bedrรผckenden Umstรคnde arbeitete er weiter an Essays und Artikeln, in denen er vor den Gefahren des Nationalismus warnte.

    Renรฉ Schickele starb 1940 in Vence bei Nizza. Sein Lebensweg zwischen Badenweiler, Sanary-sur-Mer und Nizza spiegelt nicht nur das Schicksal vieler europรคischer Intellektueller im Exil wider, sondern steht auch fรผr den Versuch, in Zeiten der Zerstรถrung eine geistige Heimat zu bewahren.